Grünen-Sprecherin: „Öffentliche Toiletten müssen für alle kostenlos sein!“
In Wien wird derzeit evaluiert, ob alle öffentlichen Toiletten gratis werden können. Das steht so im Regierungsübereinkommen von SPÖ und NEOS. Der Grund für die Debatte: Gratis Pissoirs, 50 Cent für Kabinen.
Die Stadt Wien prüft aktuell, ob alle öffentliche WC-Anlagen in Wien kostenlos zugänglich sein sollten. Dem geht eine Klage voraus, die eine Wienerin vor Kurzem eingebracht hat. Darin heißt es, dass Frauen durch die aktuelle Regelung benachteiligt werden. Denn: Dass Pissoirs kostenlos sind, die WC-Kabinen hingegen meist kostenpflichtig, sorgt laufend für Kritik.
Nicht alle öffentlichen Toiletten in Wien kosten Geld
Von den Gebühren ist nur ein Teil der Wiener WCs betroffen: Die zuständige MA 48 betreut 167 Anlagen, von denen über 80 Prozent völlig kostenlos sind. Nur in 27 stark genutzten WCs kassiert externes Personal während der Dienstzeiten 50 Cent für die Kabinen, um den höheren Reinigungsaufwand zu decken. Die Pissoirs bleiben dort gratis – und außerhalb der Betreuungszeiten, etwa nachts, sind auch die meisten dieser 27 Kabinen kostenfrei.
Grüne begrüßen kostenlose WCs: „Stadt Wien muss jetzt handeln“
Grünen-Frauensprecherin Julia Malle sieht in den Plänen der Stadt einen Schritt in die richtige Richtung, meint jedoch, eine Prüfung sei überflüssig: Die Gratis-Nutzung von Pissoirs bei zeitgleicher Kasse für WC-Kabinen benachteilige Frauen systematisch. Ein Toilettengang sei ein Grundbedürfnis, weshalb der Zugang für alle gebührenfrei sein müsse. Dass frühere Initiativen der Grünen bisher keine Mehrheit fanden, sei unverständlich.
„Die Begründung der Stadt, wonach kostenlose Pissoirs dazu beitragen sollen, Verunreinigungen durch Wildpinkeln zu vermeiden, ist völlig absurd und erzeugt zudem ein Männerbild, das wir im Grunde überwinden wollen. Abgesehen davon: Warum sollen wir Frauen für das Fehlverhalten von Männern zahlen?“ Julia Malle, Frauensprecherin der Grünen
Frauen klar im Nachteil
Den Hinweis, dass Pissoirs theoretisch allen offenstünden, kritisiert Malle als zynisch und weltfremd. Bei einem Grundbedürfnis dürfe es keine zweierlei Maßstäbe geben. Die Lösung sei keineswegs eine Gebühr für alle, sondern absolute Kostenfreiheit: Niemand solle fürs Pinkeln bezahlen müssen.