Spatenstich: Neuer Tunnel soll Hernalser Amphibien schützen
Zehn Jahre lang kämpften Tierschützer an der stark befahrenen Neuwaldegger Straße um jedes Krötenleben, auch nachts. Nun fiel der Startschuss für eine permanente Amphibienschutzanlage, den Tunnel beim Hanslteich.
Siebzehnter Wiener Gemeindebezirk, Neuwaldegger Straße: Jedes Frühjahr wagen Tausende Amphibien die lebensgefährliche Reise zu ihren Laichgewässern am Hanslteich. Sieben Jahre lang koordinierte der Verein gegen Tierfabriken (VGT) hier einen kräfteraubenden Hilfseinsatz: Mit der sogenannten Zaun-Kübel-Methode trugen ehrenamtliche Helfende Frösche, Erdkröten und stark bedrohte Alpenkammmolche per Hand über die Fahrbahn.
Grünes Licht für fünf Tunneldurchlässe
Doch die Tiere wandern nicht nur im Frühling – im Sommer folgen die Jungtiere, im Herbst geht es zurück in die Winterquartiere. Ein dauerhafter Schutz durch Freiwillige war an der dicht befahrenen Route schlicht unmöglich. Nun gibt es den wohlverdienten Durchbruch für den Artenschutz: Bezirksvorsteher Peter Jagsch (SPÖ) löste sein Versprechen ein, der Bau der neuen Amphibienschutzanlage Hanslteich hat offiziell begonnen.
Nicht nur Frösche und Kröten freuen sich, sondern auch Kleinsäuger wie Füchse und Dachse
Das Projekt umfasst fünf Tunneldurchlässe entlang der Neuwaldegger Straße, vom Kreisverkehr Marswiese bis zum Parkplatz des Restaurants Klee am Hanslteich. Auch am nahegelegenen Schottenhof steht ein weiteres Tunnelleitsystem kurz vor der Fertigstellung. Die Kosten für die Tunnelanlagen wurden teils durch EU-Fördergelder gedeckt. Die Durchlässe dienen nicht nur Amphibien, sondern ermöglichen auch Reptilien, Kleinsäugern sowie Füchsen und Dachsen eine gefahrlose Straßenquerung.
Rettungsanker im weltweiten Artensterben
Für die lokalen Bestände kommt die Maßnahme im letzten Moment. Weltweit und in ganz Österreich sind Amphibien extrem unter Druck: Neben dem Verlust von Laichgewässern und dem Insektensterben setzt den Wechselwarmen vor allem die zunehmende Hitze durch die Klimakrise zu. Selbst die weit verbreitete Erdkröte kämpft mittlerweile ums Überleben. Mit dem Baustart in Hernals und Penzing geht so eine jahrelange Zitterpartie zu Ende.