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© HFW Villach /KK

Passanten ignorieren Hilfeschreie bei Brand

„Das macht mich sprachlos“

Villach-Auen – Gestern Abend stand der obere Stock eines Wohnhauses in Villach-Auen in Vollbrand. Zeugen berichten, Passanten hätten nicht nur das Feuer, sondern auch die um Hilfe schreienden Menschen ignoriert. Wir haben uns bei den Zeugen noch einmal umgehört.

 4 Minuten Lesezeit (504 Wörter)

Eine gute Nachricht vorweg: Sowohl dem 82-jährigen Hauseigentümer als auch seiner Gattin geht es den Umständen entsprechend gut. Das berichtet uns eine Angehörige. Die Brandursache ist noch nicht geklärt. Die finanzielle Belastung für das Ehepaar wird aber mit Sicherheit sehr hoch ausfallen. Leider fallen bei einem Brand oft auch nicht zu ersetzende Erinnerungsstücke den Flammen zum Opfer.

Nachbar rettete Ehepaar mit Leiter, Passanten ignorierten Schreie

Positiv hervorheben wollen wir, dass sowohl Nachbarn als auch die Feuerwehren in dieser Ausnahmesituation absolut vorbildlich reagiert haben. So berichtet uns eine Nachbarin, die gerade ihre Tochter ins Bett gebracht hat: „Da unser Balkon offen war, habe ich Schreie gehört. Ich bin dann ins Stiegenhaus, um zu sehen, was draußen passiert. Ich sah das Feuer und zwei Personen am Balkon und rief sofort die Feuerwehr.“

Die Feuerwehren waren schnell vor Ort. Doch bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte kam es wohl auch zu unschönen Szenen. Während ein Nachbar eine Leiter holte, um so den 82-Jährigen und seine 80-jährige Frau über den Balkon zu retten, sah sich wohl nicht jeder in der Pflicht, in dieser Situation zu helfen: „Fußgänger gingen nur vorbei und ignorierten die Schreie der Menschen. Meinem Mann wollte niemand helfen. Dass es so etwas noch heutzutage gibt, macht mich sprachlos.“ Erst nach einigem Zögern half ihm schließlich ein weiterer Mann, das schreiende Ehepaar vom Balkon zu holen.

Warum helfen Menschen nicht?

Der Zuschauereffekt beschreibt ein bekanntes Phänomen. Demnach helfen Augenzeugen mit nachlassender Wahrscheinlichkeit, wenn weitere Passanten anwesend sind oder an den Ort des Geschehens hinzu kommen.

Warum das so ist, darüber gibt es verschiedene Theorien

  • Notwendigkeit oder Dringlichkeit der Hilfeleistung wird falsch eingeschätzt
  • Je mehr Leute zuschauen, desto weniger nimmt der Einzelne den Vorfall als Notfall wahr
  • Jeder wartet darauf, dass eine andere Person handelt
  • Eine weitere Theorie besagt, dass der Mensch sich in seiner Entscheidungsfreiheit eingeengt fühlt, wenn er um Hilfe gebeten wird und diese daher ablehnt

Wie kann man dem Effekt entgegnen? Ganz so einfach ist das natürlich nicht. Dennoch gibt es Verhaltensweise, die die Hilfe erleichtern. So sollte man zum Beispiel nicht „Ruft mal jemand bitte die Feuerwehr“ in eine anonyme Masse rufen, sondern einzelne Personen direkt ansprechen, also z.B. „Sie im roten Hemd rufen jetzt bitte die Feuerwehr.“ Sonst kann es passieren, dass sich jeder auf den anderen verlässt. Lebenswichtige Zeit würde verstreichen.

Was war passiert?

Am 19. Februar wurden die Einsatzkräfte zu einem Wohnhausbrand in Villach-Auen beordert. Beim Eintreffen befand sich der obere Stock bereits in Vollbrand. Im Einsatz waren die Hauptfeuerwache Villach, die FF Tschinowitsch/Turdanitsch, Judendorf und Perau. Das Dachgeschoss brannte zur Gänze aus, die Brandursache ist derzeit unbekannt. Um 21.30 Uhr konnte Brandaus gegeben werden.

Der 82-jährige Mann wurde mit Verdacht auf eine schwere Rauchgasvergiftung mit der Rettung ins LKH Villach verbracht. Seine Gattin kam vorrübergehend bei Verwandten unter. Die Ermittlungen nach der Brandursache laufen.

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