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Politik - Klagenfurt
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Doku über Kärntner Zeitgeschichte

Fluchtpunkt Kärnten

Viktring – Premiere hatte gestern die Dokumentation von Ferdinand Macek "Fluchtpunkt Kärnten" - Pulverfass Balkan, Jasenovac und die Tragödie von Bleiburg und Viktring im Klagenfurter Ensemble. Der 50-minütige Film von Ferdinand Macek beleuchtet die konkrete Vergangenheit und Kärntner Zeitgeschichte, aber vor allem einen dunklen Teil der Kärntner Zeitgeschichte, als 1945 der NDH Staat zusammengebrochen ist.

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LH Kaiser betont im Zusammenhang mit einer Gedenkkultur des Landes, dass „nichts zu verschweigen ist, was im eigenen Land passiert ist“. „Wir haben Gedenken zu kultivieren“, so Kaiser.

LH Kaiser lehnt Verherrlichung ab

Auf die Präambel der Regierungserklärung verweisend, bekannte sich der Landeshauptmann einmal mehr dazu, sämtliche politische Extremismen abzulehnen. Bezugnehmend auf die Gedenkveranstaltung am Loibacher Feld betonte Kaiser: „Totengedenken ist auch bei unterschiedlicher politischer Bewertung akzeptierbar. Die Verherrlichung von verabscheuungswürdigen Regimes im Rahmen solcher Gedenkfeiern kann ich aber als Kärntner Landeshauptmann nicht zulassen.“ Wenn gedacht und bedacht werde, dann müsse auch ein Akt der Versöhnung mit auf den Weg gegeben werden. Das Ziel aller Gedenkveranstaltungen müsse der Friede sein. „Nehmen wir aus dem Film mit, was das wichtigste ist – nämlich die Verpflichtung, alles dafür zu unternehmen, dass so etwas nicht mehr geschieht“, sagte Kaiser.

Zur Dokumentation

In der Dokumentation, für deren Regie, Redaktion und Recherchen Ferdinand Macek verantwortlich zeichnet, geht es um ehemalige Flüchtlinge und Zeitzeugen, die sich erinnern, vom Alltag erzählen und von der Flucht nach Kärnten. Historiker kommen ebenso zu Wort und erklären die Zusammenhänge, die Entstehung Kroatiens und dem kroatischen Genozid in Jasenovac, der mit der Rache an den Bleiburger Flüchtlingen im Zusammenhang steht.

Aufwühlend und tragisch

Die Dokumentation wird beschrieben, als in ihrer Kompaktheit einzigartiges Bildungs- und Kulturinstrument im typischen Stil Maceks: schnell, informativ, spannend, aufwühlend, tragisch und konkret. Macek erzählt mit „Fluchtpunkt Kärnten“ sachlich und in eindringlichen historischen Bildern einen dunklen Teil der Kärntner Zeitgeschichte des Mai 1945, seiner Flüchtlinge, die Kärnten als Zufluchtsort Österreichs gewählt hatten. Dieser Teil ging in die Geschichte als die Tragödie von Bleiburg und Viktring ein.

Auch die Vorgeschichte wird behandelt

Fluchtpunkt Kärnten behandelt auch die Vorgeschichte zur Tragödie von Bleiburg und Viktring. Thematisiert werden der Rückzug der Deutschen Besatzungsmacht, die Flucht der faschistischen Ustascha-Kroaten nach Bleiburg und Viktring vor der Tito-Armee, die Rückführung der Flüchtlinge in das Tito-Jugoslawien durch die Englische Besatzungsmacht, sowie die Vernichtung der Flüchtlinge durch die Jugoslawische Armee.

Die Kroatische Ustascha-Armee floh nach dem Zusammenbruch des NDH Staates 1945 nach Österreich/Kärnten um sich den Briten zu ergeben und dem Zugriff der Tito Partisanen zu entziehen. In Bleiburg und in Viktring waren die Hot Spots der Flüchtlinge.

Die Flüchtlinge wurden durch Täuschung der Briten in Züge verfrachtet und nach Jugoslawien an die Tito Armee ausgeliefert. In einem Racheexzess der einzigartig nach dem Krieg war, wurden die flüchtigen Kollaborateure der Nazis umgebracht: Slowenen, Volksdeutsche und muslimische SS-Leute, serbische Cetnics und vor allem kroatische Ustaschas. So waren auch die Schlächter von Jasenovac durch diesen Genozid mit ihren Opfern vereint worden.

Das Klagenfurt Ensemble

Das Klagenfurt Ensemble unter der Führung des Obmanns Gerhard Lehner ist seit den neunziger Jahren Kärntens Aushängeschild für die OFF-Theaterszene. Die Formate sind meist auf Grund ihrer Verschiedenartigkeit und der Ausdrucksmittel in den Bereich des Poststrukturalismus einzureihen. Dem Wirken Lehners und des Klagenfurter Ensembles wird von der Fachwelt hohe Anerkennung zuteil. Das klagenfurter ensemble hat sich in Kärnten abseits des Theatermainstreams als Arche des kreativen Widerstands im zeit- und vorzeitgeistlichen Kulturfahrwasser fest gemacht.

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