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Politik - Klagenfurt
LH Peter Kaiser Kranzniederlegung bei der Gedenkfeier © LPD/Gert Eggenberger

Vor 73 Jahren: Befreiung KZ Mauthausen

Gedenken am Loiblpass

Loiblpass – Vor 73 Jahren wurden die Häftlinge aus dem Konzentrationslager Mauthausen und seinen 49 Außenlagern, darunter das KZ Loibl Nord, befreit. In Erinnerung an die Opfer des KZ am Loiblpass fand heute, Samstag, eine Internationale Gedenkveranstaltung auf der Kärntner Seite des Loibltunnels am ehemaligen Appellplatz mit Landeshauptmann Peter Kaiser statt.

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Im Mittelpunkt dieser Gedenkfeier, zu der das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška jedes Jahr einlädt, steht das Bemühen, das lange Zeit „vergessene“ Außenlager von Mauthausen im kulturellen Gedächtnis Österreichs und Kärntens zu verankern. Im Gedenkjahr 2018 widmete man sich dem Thema „Flucht und Heimat“ sowie der Auslöschung Österreichs im Jahre 1938. Das Programm umfasste Gedenkreden, Stimmen von Zeitzeugen und der Jugend, Kranzniederlegungen sowie den Besuch der Gedenkstätte KZ Loibl Süd.

LH Kaiser: Es darf nicht ungehört bleiben

„Diese vorbildhafte Institution muss unterstützt werden“, sagte der Landeshauptmann und verwies darauf, dass in der Regierungserklärung der Kärntner Landesregierung erstmals die Gedenkkultur aufgenommen und ihr ein Referat zugeteilt worden sei. Man müsse mit Leidenschaft, Worten, Gesang oder bildlicher Darstellung gedenken, damit es nicht ungehört bleibe. „Es muss uns eine Verpflichtung sein, die Rolle der aussterbenden Zeitzeugen zu übernehmen und ihre Gedanken wachzuhalten“, so der Landeshauptmann. Demokratie sei nicht alltäglich, Demokratie sei täglich zu erkämpfen. „Gedenkstätten sind sehr wichtig, wir müssen hier die Kraft der Menschen, die an diesem Ort den Tod gefunden haben, übernehmen“, sagte Kaiser.

Gedenkfeier zur Befreiung des KZ Mauthausen vor 73 Jahren - © LPD/Gert Eggenberger

Kaiser kritisert „alarmierende Kursänderungen“

Besonders erfreut zeigte sich der Landeshauptmann über die Teilnahme vieler internationaler Delegationen an der heutigen Gedenkveranstaltung. Dadurch werde der internationale und grenzüberschreitende Zusammenhalt signalisiert und das kollektive Gedächtnis gestärkt. Demokratie, Miteinander und internationale Solidarität drohten manchmal zu Begriffen, die so nicht mehr vorhanden seien, zu verkommen, kritisierte Kaiser die aktuellen alarmierenden Kursänderungen in vielen europäischen Ländern und die Rückkehr zur Fremdenfeindlichkeit. „Schauen wir dem nicht hilflos zu, sondern leben wir Internationalität, Solidarität und Gemeinsamkeit“, forderte Kaiser. So etwas dürfe nie wieder geschehen: „Schöpfen wir Kraft an diesem Ort und leisten wir Widerstand, damit wir Zukunft gestalten und uns zu einer solidarischen und friedlichen Gesellschaft entwickeln“, betonte der Landeshauptmann.

„Aktueller europäischen Gedächtnisverlust“

„Das Mauthausen Komitee Kärnten/Koroška fühlt sich als Veranstalter den KZ-Opfern vom Loiblpass verpflichtet, ihre Geschichte in ehrender Erinnerung zu bewahren“, sagte Peter Gstettner für das Mauthausen Komitee Kärnten und kritisierte den „aktuellen europäischen Gedächtnisverlust“.

Die Botschaft der „Amicale de Mauthausen“ verlas Daniel Simon aus Paris. Er verwies auf die Rückkehr der Fremdenfeindlichkeit: „Einige Parteien spielen bewusst mit dem Feuer, indem sie versuchen, das Bewusstsein für die eigene nationale Identität zu bestärken.“ Daher sei es wichtig, die Arbeit von Peter Gstettner zu unterstützen. „Und auch seine vehemente Stellungnahme gegen die Banalisierung des Untolerierbaren, das im europäischen Raum kursiert.“

Ein Zeitzeuge berichtet

Ludwig Popper erzählte als Zeitzeuge ungemein lebendig und eindrucksvoll über das Jahr 1938 in Wien und von der Flucht seiner Familie über die Schweiz nach Bolivien. Besonders deutlich machte Popper, der jetzt in Wien lebt, seine Aversion gegen die „Demokratie der Naziverharmloser“. Thematisiert hat er in diesem Zusammenhang die „Liederbuch-Affäre“ am Beginn der Legislaturperiode der neuen Bundesregierung, aber er betonte auch, dass er in die Jugend vertraue: „Ihr Jungen seid unsere Zukunft, es ist wichtig, dass so etwas nicht wieder passiert.“ Popper sagte auch, dass er kein Süßholzraspler sei und von keinem irgendetwas brauche, daher könne er das deutlich sagen: „Ich beneide Kärnten um seine Regierung und ich beneide Kärnten um seinen Landeshauptmann.“

Einen essentiellen Bestandteil der Veranstaltung bildete wie immer der Gegenwartsbezug, der durch die „Stimme der Jugend“ zum Ausdruck gebracht wurde. Es sprachen Jugendliche der Höheren Bundeslehranstalt für Wirtschaft und Mode Klagenfurt unter der Leitung der Professorinnen Ilse Geson-Gombos und Heidi Cas-Brunner.

Laher: Misstraut einfachen Lösungen

Die Gedenkrede hielt der Schriftsteller Schriftsteller Ludwig Laher. „Erinnern ist ein Lebensmittel, das nicht allen schmeckt, aber es stärkt die Abwehrkräfte. Tun wir etwas für unser Immunsystem“, so Laher. Es gebe heute sehr viele Zeichen an der Wand, strukturelle Entwicklungen und Tabubrüche am laufenden Band. „Der dumpfe Nationalismus ist ein ebenso wirksames wie gefährliches Ablenkungsmanöver“, sagte der Schriftsteller und kritisierte viele „Botschaften“ die vermehrt aus der Österreichischen Bundesregierung kommen würden. „Die Toten mahnen uns, erzieht die Kinder zu selbständigen Menschen, die Zusammenhänge verstehen und misstraut einfachen Lösungen, denn das Zusammenleben ist nun einmal kompliziert“, forderte Laher. Es sei noch nie so herausfordernd gewesen, sich der „res publica“ anzunehmen: „Daher freut es mich ganz besonders, heute gemeinsam mit Landeshauptmann Kaiser das Wort ergreifen zu dürfen.“

Zahlreiche Ehrengäste

Für den ungemein stimmigen musikalischen Rahmen sorgte der Frauenchor und das Bläserensemble des BRG Viktring unter der Leitung von Julietta Fink. Internationale und österreichische Delegationen, viele Vertreter von NS-Opferverbänden nahmen am Gedenken teil. Unter den Ehrengästen waren Nationalrätin Angelika Kuss-Bergner, Militärkommandant Walter Gitschtaler, Sicherheitsdirektor Helmut Mayer, der slowenische Generalkonsul Milan Predan, Domdekan Prälat Michael Kristof, Superintendent Manfred Sauer, Caritas-Direktor Josef Marketz und Valentin Inzko, Hoher Repräsentant für Bosnien und Herzegowina.

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