Zum Thema:

20.11.2018 - 20:01Bundes­präsident Van der Bellen zu Besuch bei Infineon10.11.2018 - 18:59Ein Projekt von globaler Dimension09.11.2018 - 12:23Eine neue Straße und vier Kreisverkehre für Infineon25.10.2018 - 14:32Mysteriöse Baustellen in Villach
Politik - Villach
© 5min.at

Bodenversiegelung vs. Expansion

Jabali: „Können uns Erweiterung nicht leisten“

Villach – Im Mai 2018 kündigte Infineon an, 1,6 Milliarden Euro in den Standort Villach investieren zu wollen. Die Freude bei Politik und Wirtschaft war groß. Doch Gemeinderat Sascha Jabali von Verantwortung Erde kritisiert das Vorhaben: "Wir können uns die Infineon-Erweiterung nicht leisten."

 3 Minuten Lesezeit (452 Wörter) | Änderung am 10.07.2018 - 12:17

Neben der bereits bestehenden Fertigung will Infineon am Standort Villach eine vollautomatisierte Chipfabrik errichten. Der Baubeginn für die 60.000 Quadratmeter große Fabrik ist in der 1. Jahreshälfte 2019 geplant, die Fertigung soll 2021 starten. 400 neue Arbeitsplätze sollen dabei entstehen. Die Rahmenbedingungen würden den Wirtschaftsstandort Villach stärken, doch längst nicht jeder ist mit dem Vorhaben einverstanden.

Langfristige Zerstörung der Lebensgrundlage?

„Die 1,6 Milliarden-Investition bedeutet nicht nur kurzfristige Arbeitsplätze, sondern auch die langfristige Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zugunsten kommerzieller Interessen, die noch viele, uns nachfolgende Generationen betreffen wird“, erklärt Gemeinderat Sascha Jabali von Verantwortung Erde. Streitpunkt ist die sogenannten Bodenversiegelung, also das Bedecken des natürlichen Bodens durch Bauwerke. In Villach, so Jabali, würde ungebremst und konzeptlos weiter (um-)gewidmet und verbaut. Trotz zahlreicher Warnungen vor den Folgen für die nachkommenden Generationen.

Mögliche Folgen

Durch Bodenversiegelung gehen Funktionen wie die Speicherung von Wasser und Kohlenstoff verloren. Auch stehen Böden als wertvolle Naturräume und für die landwirtschaftliche Nutzung nicht mehr zur Verfügung. Der Wegfall von Versickerungsfläche erhöht die Gefahr von Überschwemmung und Hochwasser.

Keine Zustimmung für Umwidmung

„Vor allem das Gebiet der ehemals bewaldeten Gail-Auen wurde in den letzten Jahren und Jahrzehnten zunehmend gerodet und zubetoniert. Ist ein Boden erstmal versiegelt dauert es rund 500 Jahre bis wieder eine 2,5 cm tiefe, fruchtbare Schicht entsteht“, erklärt Jabali. “ Wir bleiben daher bei unserem Standpunkt keinen weiteren Umwidmungen zuzustimmen – und dadurch Bodenversiegelung zu ermöglichen – bis es ein Konzept gibt, welches jene Flächen ausweist und sichert, die wir z.B. zur Deckung unseres Nahrungsbedarfs benötigen.“

Zudem kritisiert Jabali, dass die Bevölkerung nicht eingebunden, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt wurde. Auch die Mitglieder des Gemeinderats seien erst sieben Wochen nach der medialen Berichterstattung über die Pläne informiert worden. Konzerninteressen sollten nicht über die Interessen der Bevölkerung gestellt werden, so der Gemeinderat von Verantwortung Erde. Das Vorgehen sei ein „Beweis für die Herrschaft des Geldes“.

Jabali: Können es uns „nicht leisten“

„In einer Zeit, in der wir in Österreich fast täglich von neuen ‚Wetterkapriolen‘, ‚Unwettern‘ und Naturkatastrophen betroffen sind, können wir es uns ’nicht leisten‘ unseren Lebensraum weiterhin durch Bodenversiegelung langfristig zu zerstören und damit den ohnehin bereits riesigen Rucksack, der uns und nachfolgenden Generationen aufgebürdet wird, noch größer zu machen. Stattdessen schlage ich vor, all die plötzlich frei gewordenen Kräfte, Energien und „task-forces“ dafür zu verwenden uns endlich den großen Herausforderungen unserer Zeit zu stellen und z.B. Ernährungssicherheit für die Villacher Bevölkerung herzustellen – also Teil der Lösung zu werden und nicht Teil des Problems zu bleiben“, sagt Jabali.

Kommentare laden