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AK-Präsident Günther Goach nimmt sich gerne die Zeit, persönlich mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu sprechen, die er vertritt.
AK-Präsident Günther Goach nimmt sich gerne die Zeit, persönlich mit den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern zu sprechen, die er vertritt. © KK

AK-Präsident Goach im Interview:

„Was ich erreiche, erreiche ich auch für die Kärntner Familien“

Kärnten – Am Montag, dem 4. März, startet die Arbeiterkammer-Wahl in ganz Kärnten. Bereits seit Oktober 2002 steht ein Mann als Präsident an der Spitze der AK-Kärnten: Günther Goach. 5-Minuten hat mit dem AK-Präsidenten gesprochen und einen Einblick in seinen Arbeitsalltag, seine Meinung über die derzeitige Bundesregierung und in das Privatleben des Familienmenschen erhalten.

 14 Minuten Lesezeit (1745 Wörter)

Als „Stimme der Arbeitnehmer“ ist die Arbeiterkammer enorm wichtig für heimische Betriebe und deren Angestellten. Sie vertritt die Interessen von rund 200.000 Kärntner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern. Ab Montag, dem 4. März, wird die sogenannte Vollversammlung der AK-Kärnten gewählt. Sie ist das höchste Gremium der Arbeiterkammer. Aus den Kreisen der Vollversammlung werden wichtige Ämter wie der AK-Präsident oder der AK-Vorstand gewählt.

Günther Goach im Interview mit 5-Minuten

Günther Goach, Vater einer erwachsenen Tochter und stolzer Großvater, hat bereits seit dem Jahr 2002 das Amt des AK-Präsidenten inne. Seitdem ist Goach bemüht, die Interessen der Kärntner Arbeitnehmer bestmöglich zu vertreten. Auch, wenn er dadurch oft mit Politikern verhandeln und diskutieren muss. Doch wie sieht der Arbeitsalltag des AK-Präsidenten aus? Was hält er von der neuen Karfreitags-Regelung der schwarz-blauen Regierung? Welche Ziele hat er für die Zukunft und wie bereitet er sich auf seinen Arbeitstag vor? Wir haben den AK-Präsidenten getroffen und mit ihm all diese Fragen besprochen.

Guten Morgen, Herr Präsident. Sind Sie Frühaufsteher?

Das kann man wohl sagen. Ich genieße es, in der Früh in Ruhe die Zeitungen zu lesen und mich auf den Tag vorzubereiten. Um 7.30 Uhr bin ich dann im Büro.

Und dann geht es los mit dem Arbeitsalltag…

Ja, ich versuche, immer für meine Kolleginnen und Kollegen da zu sein und suche das persönliche Gespräch. Es gehört aber auch die Gremienarbeit dazu. Viel spielt sich in Wien ab. Kärnten ist nicht der Nabel der Welt. Daher ist es wichtig, dass die Anliegen der Kärntner Beschäftigten in der Bundeshauptstadt vertreten werden und wir uns entsprechend Gehör verschaffen. Um die vielen Wienfahrten zu minimieren, habe ich mein Büro für Videokonferenzen ausgestattet – das soll mir in Zukunft einige Autobahnkilometer ersparen. Die eingesparte Zeit kann ich nutzen, um mir in den Betrieben, bei den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern vor Ort, ein Bild der Lage zu machen.

Bei den Leuten sein – das heften sich viele Politiker auf ihre Fahnen…

Wie gut, dass ich kein Politiker bin (lacht). Ernsthaft, ich bin Interessenvertreter – ich vertrete die Interessen von einer ganz bestimmten Gruppe: Von 200.000 Kärntner Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern – und damit auch die Interessen von allen Beschäftigten in Österreich und all jenen, die von unseren Errungenschaften profitieren. Ich verhandle mit allen Personen, auch Politikern, die helfen können, die Interessen der Beschäftigten umzusetzen – aber Politiker bin ich keiner. Mit den Menschen, die wir vertreten, zu sprechen, gehört dazu – es lässt sich ja nicht alles durch Studien erheben. Oder wir können uns nicht nur auf die Erkenntnisse stützen, die wir aus den Beratungen ziehen. Viele Probleme sind sehr subjektiv, werden von den Betroffenen selbst nicht einmal als solche erkannt – erst im persönlichen Gespräch kommen sie heraus.

Wie oft sind Sie dann „draußen bei den Menschen“?

Seit meinem Amtsantritt habe ich mehr als 1.000 Betriebe besucht. Betriebsbesuche gehören zu meinem Arbeitsalltag wie Besprechungen auch. Es war nie meine Art, die Situation vom Schreibtisch aus zu beurteilen.

Was haben Sie immer dabei?

Ohne mein Handy gehe ich nirgendwohin – ich bin gerne informiert und verfolge daher ständig aktuelle Nachrichten. So wie in dieser Woche mit der Karfreitagsdebatte, gab es da ja auch stündlich Neues – und Unerfreuliches – zu lesen. Wobei ich zugeben muss, dass ich mittlerweile lieber auf meinem iPad lese – da ist das Display etwas größer.

Der Karfreitag – eine „perfekte“ Lösung, wie Bundesminister Hofer sagt?

Da stellt es sich mir die Haare auf. Die schlechteste Lösung wurde erfunden! Erfunden sage ich deshalb, weil man auf so eine Frotzelei einmal kommen muss. Die Regierung hat bei der Chance das Beste für die Beschäftigten zu machen, das Beste für die Wirtschaft herausgeholt. Jetzt haben wir den „Ka freier Tag“.

Wie sehen die Betroffenen die Lösung?

Noch einmal: Hier von einer Lösung zu sprechen, ist weit vermessen! Die arbeitenden Menschen fühlen sich ver“(…)“ – Sie wissen, welches Wort mir auf der Zunge liegt. Zu Recht! Die Empörung aus der Bevölkerung hat mir auch Superintendent Manfred Sauer bestätigt. Mit dem habe ich mich übrigens diese Woche getroffen. Wir haben als Arbeiterkammer, Gewerkschaftsbund und evangelische Kirche den Schulterschluss gemacht. Unser Motto: „Wir alle sind Teil unserer Gesellschaft – unsere Rechte müssen gewahrt bleiben.“ An dieser Stelle darf ich auch um Unterstützung der Online-Petition von Superintendent Sauer bitten: Das kann man hier tun.

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v.l.: ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch, Superintendent Manfred Sauer und AK-Präsident Günther Goach beim Unterschreiben der Petition gegen die neue Karfreitags-Regelung.

v.l.: ÖGB Landesvorsitzender Hermann Lipitsch, Superintendent Manfred Sauer und AK-Präsident Günther Goach beim Unterschreiben der Petition gegen die neue Karfreitags-Regelung. - © KK

Welche Sorgen bekommen Sie noch zu Ohren?

Wohnkosten sind ein großer Teil der monatlichen Fixkosten – und damit ein großes Thema. Daher setzen wir uns als AK für günstigen Wohnraum ein. Arbeitnehmervertretung ist nicht nur Arbeitsrecht – wir kämpfen in allen Bereichen, damit das Leben für Arbeitnehmer leistbar, fair und gerecht ist. Mir ist es wichtig, dass Menschen ein qualitätsvolles Gesundheits- und Pflegesystem in Anspruch nehmen können, Arbeitsbedingungen und Löhne vorfinden, unter denen sie bis zur Pension arbeiten und in Würde altern können. Mit einer Pension, mit der sie das Auslangen finden.

Bildung ist wirtschaftlicher und sozialer Rohstoff – ein Zitat, dass man häufig von Ihnen hört oder liest…

Ja, das ist ein Credo von mir, das ich immer stark betone. Bildung ist das Fundament eines erfolgreichen Lebens und einziger Schutz gegen Arbeitslosigkeit. Das beginnt mit der (Aus-) Bildung in jungen Jahren – und hört dann aber nicht auf. Gerade in Zeiten der Digitalisierung ist es wichtig, am Ball zu bleiben. Dazu gehört einerseits die Bereitschaft der Arbeitnehmer – aber auch die Unternehmer dürfen sich nicht aus der Verantwortung nehmen!

Was sind die wirklich wichtigen Herausforderungen für die Zukunft?

Die Themen ändern sich nicht so stark, wie die Antworten und Lösungen, die sie brauchen. Wir brauchen ein sicheres Sozial- und Gesundheitssystem – was vor allem heißt, dass wir es wollen und uns klar dazu bekennen müssen. Wenn die schwarz-blaue Bundesregierung sagt, unser Pensionssystem ist nicht leistbar, ist das schlichtweg falsch! Fairness am Arbeitsplatz wird immer wichtiger – vor allem, weil diese Regierungen Schutzbestimmungen aufweicht. Und das, obwohl der Druck am Arbeitsmarkt stetig steigt. Wir müssen die Kolleginnen und Kollegen fit für die Zukunft machen: Damit meine ich einerseits die Fertigkeiten, um mit dem digitalen Wandel umzugehen. Aber es geht auch um betriebliche Gesundheitsförderung – damit Menschen bis zur Pension arbeiten und diese dann genießen können. Und ganz wichtig, eine langjährige Forderung, die endlich umgesetzt werden muss: Der Kündigungsschutz im Krankenstand, insbesondere nach einem Arbeitsunfall. Wer krank ist, muss sich erholen können, ohne Angst um seinen Job haben zu müssen!

Die schwarz-blaue Regierung gehört nicht gerade zu ihren Freunden, man denkt schon fast, die können in Ihren Augen gar nichts richtig machen?

Seit jeher gilt für mich: Ich beurteile eine Regierung danach, was sie für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer leistet. Und bei dieser Regierungskonstellation ist das wenig, genau genommen gar nichts.

Beispiele?

Zugang zur Altersteilzeit verschlechtert, Einsparungen beim AMS und in der überbetrieblichen Lehre, Einführung der Studiengebühren für berufstätige Studierende. Wir haben jetzt den 12-Stunden-Tag im Gesetz – damit verlieren die Menschen die arbeiten, bares Geld. Die Ruhezeiten werden gekürzt. Unser Gesundheitssystem wird zerstört. Die Aktion 20.000 wurde abgeschafft.

Ok, das sind viele…

Ich bin ja noch lange nicht fertig: Die Förderung für Pflegeeltern wurde gekürzt. Der als Erfolg gefeierte Familienbonus gibt jetzt jenen, die ohnehin schon mehr haben – dafür schauen die mit wenig Geld durch die Finger. Die Mangelberufsliste wurde ausgeweitet und erleichtert es, ausländische Arbeitskräfte zu beschäftigen. Und wenn diese Regierung von einer Vereinfachung des Steuersystems redet – dann schrillen bei mir die Alarmglocken! Ich sage: Hände weg vom Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Hände weg von Zuschlägen und Zulagen!

Lobende Worte suchen wir hier vergeblich…

Allerdings – vor allem für diesen Stil verurteile ich diese Bundesregierung. Bewährte Systeme wie die Sozialpartnerschaft werden einfach ignorieren. Drüberfahren und Husch-Pfusch-Aktionen, das ist der neue Stil. Ich gebe zu, Sozialpartnerlösungen dauern länger – aber sie haben Substanz, Bestand und werden von einer breiten Mehrheit getragen.

Wie werden Sie diese Bundesregierung wieder los?

Diese Regierung ist demokratisch gewählt. Es war der Wille des Volkes. Das ist zu akzeptieren. Mein und unser Part als Arbeitnehmervertreter ist es, Lösungen aufzuzeigen und die Interessen der Beschäftigten zu wahren. In der aktuellen Situation bedeutet das, so gut wie möglich dagegen halten, damit nicht alle Errungenschaften für Arbeitnehmer dahin sind. Das ist schwierig – wie schwarz-blau in den Jahren von 2000 bis 2006 gezeigt haben. Was sie damals in unseren Pensionssystem zerstört haben, haben wir nie mehr ausgleichen können. Arm sind die Jungen – denen bleibt von den Leistungen, die jetzt langsam ausgleiten, nichts mehr übrig.

Nun aber zu Günther Goach privat – wie machen Sie sich fit für den Arbeitsalltag?

Ich mache gerne Sport und bin – so oft es meine Zeit zulässt – am Tennisplatz oder beim Fitnesstraining zu finden. Im Winter gehe ich gerne Skifahren und im Sommer steige ich aufs Fahrrad. Letztes Jahr habe ich die 3.000-Kilometer-Marke geknackt! Vor allem aber geben mir meine Familie, meine Frau, meine Tochter und mein Enkel Kraft.

Was wünschen Sie sich für Ihre Familie?

Ich denke mir immer: Alles, was ich erreiche, erreiche ich auch für die Kärntner Familien. Familien zu fördern, ist mir sehr wichtig. Und wenn wir heute an Lösungen arbeiten, müssen die auch Bestand haben. So dass sie für meinen Enkel, wenn er erwachsen ist und seine Ausbildung absolviert und arbeiten geht, noch etwas bringen. Dafür muss man eine Basis schaffen. Frieden und Gesundheit sind zwei hohe Güter, die mir für alle, auch meinen Enkel, sehr wichtig sind. Aber nichts ist mehr selbstverständlich, daher brauchen wir klare politische Regeln. Wir dürfen die Menschen nicht gegeneinander ausspielen. Frieden kann nur gewährleistet werden, wenn alle von ihrem Gehalt leben können, es sozialen Zusammenhalt gibt. Und natürlich Gesundheit: Gerade in einer immer schneller werdenden Arbeitswelt eine besondere Herausforderung. Und man muss immer an eine bessere Welt glauben – sonst bräuchten wir unseren Job nicht machen.

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