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Leute - Klagenfurt
Schwarzenbacher:
Schwarzenbacher: "Das Frauenhaus Klagenfurt ist 24 Stunden, sieben Tage die Woche erreichbar." © Frauenhaus Klagenfurt

Frauenhaus Klagenfurt:

„Jede Frau hat das Recht auf ein gewalt­freies Leben“

Klagenfurt – Heute, am Weltfrauentag möchten wir euch einen Klagenfurter Verein vorstellen, welcher seit 35 Jahren unglaubliches leistet: Das Klagenfurter Frauenhaus. Die Geschäftsführerin Ingrid Schwarzenbacher und ihre Kolleginnen haben sich zum Ziel gesetzt, gewaltbetroffene Frauen und ihren Kindern ein schützendes Dach über dem Kopf zu bieten.

 7 Minuten Lesezeit (888 Wörter)

Sie helfen, wenn Frauen keinen Ausweg mehr sehen. Ingrid Schwarzenbacher und ihr 19-köpfiges Team des Klagenfurter Frauenhauses: „Jede Frau und ihre Kinder haben das Recht auf ein gewaltfreies Leben“, erklärt Schwarzenbacher im Interview mit 5 Minuten Klagenfurt. Dazu zählt Schwarzenbacher jede Form der Gewalt: „Jedes Verhalten, welches sich auf seelischer, körperlicher und sexueller Ebene schädigend auf die Frau auswirkt, ist eine Straftat und somit in Österreich verboten.“ Die meisten Frauen kommen aufgrund körperlicher Gewalt ins Klagenfurter Frauenhaus. „Oft stellt sich erst später heraus, dass viele von ihnen auch von psychischer und/oder ökonomischer Gewalt betroffen waren“, erklärt Schwarzenbacher.

Es gibt verschiedene Formen der häuslichen Gewalt:

Dazu zählen…

  • Jede Form von körperlicher Gewalt
  • Psychische Gewalt (z.B. übertriebene Eifersucht oder Abwertungen jeder Art)
  • Sexualisierte Gewalt (wenn ein Nein nicht akzeptiert wird)
  • Ökonomische Gewalt (Situationen, in denen die Frau über kein eigenes Einkommen verfügt und der Partner diese Situation ausnützt, indem er ungenügende Geldmittel für Haushaltsangelegenheiten bereitstellt oder Einkommen, Vermögen und Ausgaben geheim hält)

Das Frauenhaus ist immer erreichbar

Schwarzenbacher weiß: „Gewalt ist immer noch sehr schambesetzt. Es gehört viel Mut dazu sich bei uns zu melden.“ Das Frauenhaus Klagenfurt war in den vergangenen 35 Jahren für über 2.300 Frauen und knapp 2.400 Kinder ein Zufluchtsort. Die Geschäftsführerin des Frauenhauses erklärt: „Unser Frauenhaus ist jederzeit telefonisch erreichbar: 24 Stunden, sieben Tage die Woche.“ Auch per E-Mail kann man die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses kontaktieren. „Zudem haben wir auf unserer Homepage grundlegende Ratschläge für die Frauen bereitgestellt, wie sie vorgehen können, wenn sie bei uns leben möchten“, erklärt Schwarzenbacher. Auch ambulante Beratungen sind möglich.

„Wir bieten den Frauen eine neue Lebensperspektive“

Mit dem Hilferuf beginnt die eigentliche Arbeit des Teams, welches ausschließlich aus weiblichen Mitarbeiterinnen besteht: „Wir bieten gewaltbetroffenen Frauen und ihren Kindern Schutz und Sicherheit vor weiteren Gewaltübergriffen“, so Schwarzenbacher weiter. Dafür wird unter anderem eine vorübergehende Wohnmöglichkeit angeboten. „Außerdem bekommen die Frauen eine Ansprechpartnerin zur Verfügung gestellt, welche sich gemeinsam mit der Frau um rechtliche sowie psychosoziale Belange kümmert und auch Basisinformationen hinsichtlich rechtlicher Belange erteilt“, erklärt Schwarzenbacher. „Wir begleiten sie zu Fachstellen, helfen bei der Wohnungs- und Arbeitssuche und erarbeiten gemeinsam mit der Frau eine neue Lebensperspektive.“

„Es ist nie zu spät!“

Als Beispiel nennt Schwarzenbacher eine Pensionistin, welche erst vor kurzem einen neuen Lebensabschnitt mithilfe des Frauenhauses begonnen hat. „Jahrzehnte lebte sie in einer von Gewalt durchdrungenen Ehe. Es war schön zu sehen, wie sich ihr Leben ins Positive verändert hat. Sie ist bei uns aufgeblüht“, erklärt Schwarzenbacher und betont: „Es ist nie zu spät seine persönliche Situation zu verändern!“

Es gibt auch Hilfe für den Mann

Damit weist Schwarzenbacher auch auf eine neue Art und Weise hin, Gewalt entgegenzuwirken. „Der Verein MAN(N)AGEMENT versucht Männern zu helfen, welche gewillt sind ihr aggressives Verhalten abzubauen.“ Geleitet wird der Verein vom Obmann Rainer Tripolt. Auch eine Kooperation mit dem Frauenhaus wurde gestartet. „Oft wollen sich die Frauen nicht von ihrem Gefährder trennen. Sie suchen nur einen Ausweg aus der Gewalt“, erläutert Schwarzenbacher. „Auf Wunsch der Frau bieten wir aus diesem Grund auch Klärungsgespräche an“, erklärt Schwarzenbacher. Dabei handelt es sich um begleitete, opferschutzorientierte Gespräche. Im geschützten Rahmen kann das Paar so miteinander sprechen. Immer mit dabei sind zwei Begleiter. „Der Frau wird eine Mitarbeiterin des Frauenhauses zur Seite gestellt, während den Mann ein Mitarbeiter des Vereins MAN(N)AGMENT begleitet“, erklärt Schwarzenbacher. Die Initiative für das gemeinsame Gespräch geht dabei immer von der betroffenen Frau aus.

Das Team bietet auch Schulungen an

Auch mit anderen öffentlichen Einrichtungen gibt es Kooperationen. „Wir starten bereits in Schulen und Kindergärten mit Präventionsmaßnahmen, indem wir den Kindern spielerisch erklären, wie ein gemeinsames Miteinander funktioniert“, so Schwarzenbacher. Auch Vorträge in den Fachhochschulen und der Alpen Adria Universität Klagenfurt werden abgehalten.“ Zudem veranstalten wir Schulungen für die Polizei. „Sie werden oft als Erstes zu Fällen von häuslicher Gewalt gerufen, daher versuchen wir den Beamten und Beamtinnen unsere Erfahrungswerte zu vermitteln“, erklärt die Geschäftsführerin des Frauenhauses Klagenfurt.

Frauenhaus bietet Hilfe für Frau und Kind

Für Schwarzenbacher ist es wichtig, dass jede gewaltbetroffene Klagenfurterin weiß: „Weder die Frau noch ihre Kinder sind an dieser Situation Schuld. Der Gefährder ist für sein Verhalten selbst verantwortlich. Frau und Kind sind nicht der Auslöser und haben nichts falsch gemacht!“ Anrufen, Mailen sowie ein persönliches Gespräch sind jederzeit möglich. Auch geschützte Unterkünfte stehen immer zur Verfügung. Hilfe bekommen alle von Gewalt betroffene Frauen mit ihren Kindern hier:

Kontakt Frauenhaus Klagenfurt

Telefon: 0463 / 44966
E-Mail: beratung@frauenhaus-klagenfurt.at
Weiter Infos gibt es unter: www.frauenhaus-klagenfurt.at

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„Gewalt ist durch nichts zu rechtfertigen. Es gibt keine Entschuldigung dafür“ - © Frauenhaus Klagenfurt

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