Zum Thema:

30.11.2019 - 21:42„Wir haben Kira nicht miss­handelt!“08.06.2019 - 15:23Bedroht, miss­handelt und ein­gesperrt: Frau gelang die Flucht08.04.2019 - 14:09Kinder geschlagen: Mildes Urteil für zwei Kärntner
Aktuell - Kärnten
Ihre Kinder sieht Asma derzeit nur im Video-Chat. Die vier Kleinen sind noch immer bei ihrem Vater im Libanon.
Ihre Kinder sieht Asma derzeit nur im Video-Chat. Die vier Kleinen sind noch immer bei ihrem Vater im Libanon. © KK

"Mama, bitte ich will zurück nach Villach!"

Verzweifelt: „Am Flughafen erfuhr ich, dass meine Kinder zurück bleiben!“

Villach/ Klagenfurt – Seit sieben Jahren ist Asma A. (26) verheiratet. Als ihre Schwiegermutter im Libanon todkrank wird, reiste Asma mit ihren vier Kinder hin, damit sie ihre Oma nochmals sehen können. Dann der Schock, als sie mit ihren Kindern zurück reisen wollte. Sie darf nicht mehr mit den Kindern zurück nach Österreich und muss sich von ihnen verabschieden.

 7 Minuten Lesezeit (873 Wörter) | Änderung am 03.10.2019 - 13.47 Uhr

Sie ist Österreicherin, eine gebürtige Villacherin, die inzwischen in Klagenfurt wohnt. Dort besucht sie die Schule und holt die Matura nach. Danach will sie studieren. Ihr ganzer Stolz: Ihre vier Kinder – alle österreichische Staatsbürger. 5-Minuten hat mit der verzweifelten Asma, die ihre Kinder derzeit nur im Video-Chat sehen kann, im Interview gesprochen. Sie versucht derzeit alles, um ihre Kinder zurück zu bekommen. Auf Facebook hat ihre Situation viel Aufmerksamkeit erlangt. Über tausend Menschen wollen helfen. Im Libanon zurück geblieben ist auch die Stieftochter, die leibliche Tochter ihres Mannes aus erster Ehe. Auch ihre Mama kämpft darum, ihre Tochter wieder zu bekommen.

„Er war sehr liebevoll und dann…“

Er arbeitete und sie machte eine Ausbildung. „Es war nicht immer leicht zwischen uns und ich überlegte mir oft, mich scheiden zu lassen“, erzählt Asma offen im Gespräch mit 5-Minuten, „im Sommer 2018 fuhr mein Mann dann alleine auf Familienurlaub in den Libanon. Danach kam er total verändert zurück“, so die junge Frau und erzählt weiter: „Er war auf einmal der perfekte Ehemann, aufmerksam, liebevoll und hat sich sehr gut um uns alle gekümmert.“ Danach erzählte er Asma von seiner todkranken Mutter in seinem Heimatland. „Für mich war klar, ich muss meinen Kindern die Chance geben, sich von der Oma verabschieden zu können.“ 

Ganz alleine: Eingesperrt und misshandelt

Asma und ihre vier Kinder, im Alter von 5, 4, 3 und 1 Jahren, flogen am 31. Juli 2019 in den Libanon. Anfang September wollten sie alle wieder zurück sein. „Dann fiel mir auf, dass die Großmutter zwar im Krankenhaus lag, sie jedoch nicht todkrank war. Sie hatte Lungenprobleme.“ Dann ging der Horror los. Gegenüber 5 Minuten erzählt sie, dass sie alleine in ein Schlafzimmer  eingesperrt war. Verhielt sie sich „angemessen“, durfte sie die Kinder kurz sehen. Irgendwann ließ der Mann sie gehen. Nun befindet sie sich wieder in Österreich. Ihre Kinder jedoch nicht. Im Libanon sieht die Rechtslage so aus: Der Mann kann seiner Frau und den Kindern die Ausreise verbieten.

„Ich kämpfe und gebe nicht auf!“

Die Sorge um die Kinder ist groß. Sie sieht die Kinder derweilen nur über Videochat und das ganz selten. Der Redaktion von 5 Minuten liegt Videomaterial vor, an denen Spuren von Misshandlungen an den Kindern  zu sehen sind. „Ich habe so Angst um meine Kinder. Ich habe Angst, dass es ihnen nicht gut geht.“ Der dreijährige Sohn von Asma soll von einer Tante mit einer brennheißen Teekanne im Nacken verbrannt worden sein, erzählt sie. Sie sollen auch unter Medikamente gesetzt werden. „Viele werfen mir vor, warum ich Anfang September alleine zurück gereist bin. Ich habe das Vertrauen in die Behörden hier, dass sie mir helfen werden. Ich glaube, dass ich von Österreich aus mehr erwirken kann, als wenn ich geblieben wäre. Ich kämpfe jeden Tag von früh bis spät. Kontaktiere hier Vereine, Institutionen, Anwälte, die Botschaft und eben Medien,“ so Asma.“Von dem Gesetz, dass der Ehemann eine Ausreise verbieten kann, wusste ich im Vorhinein natürlich nichts, sonst wäre ich dort ja nie hingefahren“, erzählt Asma.

ANZEIGE
Der Sohn von Asma soll mit heißer Teekanne verbrannt worden sein. Sie konnte schnell ein Video machen, damit man ihr glaubt, dass die Kinder misshandelt werden.

Der Sohn von Asma soll mit heißer Teekanne verbrannt worden sein. Sie konnte schnell ein Video machen, damit man ihr glaubt, dass die Kinder misshandelt werden. - © KK

Schwere Vorwürfe und große Sorgen

Im Nachhinein ist Asma klar: Ihr Ehemann hat alles eingefädelt, um sie und ihre Kinder in den Libanon zu locken. Die Geschichte mit der todkranken Großmutter war nur ein Vorwand. Er wusste, dass er seiner Frau und den Kindern die Ausreise verbieten kann, ist sich Asma sicher.  Asma Akty konnte schließlich am Freitag, dem 6. September, wieder nach Hause zurück. Ihre vier Kinder sind noch immer im Libanon. Laut Asma sei es ihrem Mann sowieso von Anfang an nur um die Kinder gegangen. Kürzlich  hatte der kleine Sohn von Asma Geburtstag. Sie durfte ihm nicht gratulieren. Die Sorge dreht sich nun einzig und allein um die Gesundheit der Kinder und ihre Vorwürfe wiegen schwer: „Er schlägt sie immer wieder, dabei war er in Österreich den Kindern gegenüber nie gewalttätig“, erzählt sie uns. „Auf meine Frage hin, warum er jetzt im Libanon zu einem Kinderschläger geworden ist, antwortete er: Im Libanon gibts kein Jugendamt und es herrschen andere Gesetze!“ Derzeit lässt sich Asma von ihrem Mann scheiden, damit er, sobald sie wieder in den Libanon fliegt, ihre Ausreise nicht mehr verbieten kann. Doch die verzweifelte Mutter steht vor einer großen Hürde: Im Libanon gilt ein eigenes Sorgerechtsgesetz. Auch die Religion spielt hier eine große Rolle. Asma lässt sich aber nicht unterkriegen. „Ich werde kämpfen und will meine Kinder sofort zurück!“ Der Weg dorthin kann sich jedoch schwer und langwierig gestalten. Im Videochat meinte ihre Tochter: „Mama, ich verspreche ganz brav zu sein, ich will zurück nach Villach zu dir und Oma!“

Anmerkung der Redaktion: Die Recherche zum Beitrag wurde von mehreren Redakteuren von 5 Minuten wochenlang und gründlich durchgeführt. Alle notwendigen schriftlichen Dokumente sowie Fotos und Videomaterial liegen der Redaktion vor. Seitens der Behörden laufen die Ermittlungen derzeit auf Hochtouren.

Kommentare laden
ANZEIGE