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Wirtschaft - Kärnten
© Bettina Nikolic

Land Kärnten baut Unterstützung aus:

Um 15.000 Arbeitslose mehr als im Vorjahr: Von Normalität „weit entfernt“

Kärnten – Am heutigen Montag, dem 4. Mai, wurden die aktuellen Arbeitsmarktdaten vom Arbeitsmarktservice Kärnten bekanntgegeben. Das Ergebnis: Im Vergleich zum Vormonat März gibt es zwar einen positiven Trend, trotzdem sei man von der Normalität "weit entfernt", heißt es seitens des AMS Kärnten. Das Land Kärnten möchte nun die Unterstützung für Arbeitslose ausbauen. Kritik kommt vom Kärntner FPÖ-Chef Klubobmann Gernot Darmann.

 6 Minuten Lesezeit (733 Wörter) | Änderung am 04.05.2020 - 16.22 Uhr

„Der Shutdown in vielen Branchen und das langsame Hochfahren führen zu Verwerfungen in der Wirtschaft“, erklärt heute Peter Wedenig, Landesgeschäftsführer des AMS Kärnten in einer Aussendung. Aktuell sind 36.067 Kärntnerinnen und Kärntner als Arbeitslos vorgemerkt. 18.632 davon sind Frauen, 17.435 sind Männer.

Nettoarbeitslosigkeit viel höher als im Vorjahr

Die Corona-Krise habe unmittelbare Auswirkungen auf die Situation am Arbeitsmarkt, so Wedenig. „Wenn man a-typisch einen Monatsvergleich mit März 2020 zieht, gibt es zwar eine leichte positive Tendenz in der Abnahme der Arbeitslosigkeit (-1.199 Personen). Im „klassischen“ Vergleich – mit dem Vorjahresmonat April 2019 zeigt sich aber, dass wir von Normalität am Arbeitsmarkt weit entfernt sind“, erklärt der Kärntner AMS-Landesgeschäftsführer. Die Nettoarbeitslosigkeit (Arbeitsuchende und Personen in Schulung) hat nämlich um 65% bzw. um 15.032 Personen im Vergleich zum Vorjahresmonat zugenommen. Aktuell gibt es in Kärnten 38.142 Personen in Nettoarbeitslosigkeit. Bei Jugendlichen beträgt der Anstieg im Vergleich zum April 2019 101,8 %t, bei älteren Personen 62,6 %. Die Zahl der offenen Stellen ging um 42,9 % zurück, die Zahl der offenen Lehrstellen sank um 31,8 %.

Situation in den Bezirken

Die meisten Arbeitslosen in Kärnten gibt es im Bezirk Klagenfurt. Dort sind 10.420 Personen als arbeitslos gemeldet. In Villach gibt es derzeit 8.922 Arbeitslose. Spittal an der Drau belegt mit 5.748 Arbeitslosen Rang drei unter den Kärntner Bezirken. In Hermagor gibt es mit 989 die wenigsten als arbeitslos gemeldete Personen in Kärnten.

Land will Unterstützung ausbauen

„Wir stehen vor einer noch nie dagewesenen Situation am Arbeitsmarkt. Wir müssen alle unsere Kräfte darauf richten, die Menschen, die durch die Corona-Pandemie ihre Jobs verloren haben, zu unterstützen“, betont Landeshauptmann Peter Kaiser heute, Montag. Arbeitsmarktreferentin LHStv.in Gaby Schaunig wird in der Regierungssitzung morgen, Dienstag, über die Lage am Kärntner Arbeitsmarkt und die Neuausrichtung der Kärntner Maßnahmen berichten.

Budget soll „massiv erhöht“ werden

„Der Bund wird sein Arbeitsmarktbudget massiv erhöhen und zielgerichtete Maßnahmen für besonders betroffene Personengruppen ergreifen müssen. Wichtig wird eine gute Abstimmung der Maßnahmen von Bund und Ländern sein. Über den Territorialen Beschäftigungspakt können wir als Land heuer gemeinsam mit dem AMS Kärnten und der EU knapp 42 Millionen Euro in den Kärntner Arbeitsmarkt investieren. Angesichts der Krise werden wir den Mitteleinsatz neu fokussieren, und zwar ganz besonders auf Stiftungen und überbetriebliche Ausbildungsplätze“, erklärt Schaunig. Besonders im Tourismus- und Gastronomiebereich ist ein Lehrstellenmangel zu befürchten. „Wir werden alles tun, damit allen Kärntner Jugendlichen im Herbst ein Ausbildungs- oder Maßnahmenplatz zur Verfügung steht“, betont Kaiser.

Eigene Maßnahmen für Post-Corona-Phase

„Wir werden unsere Beschäftigungs- und Qualifizierungsstrategie überarbeiten und ein eigenes Handlungsfeld für Maßnahmen für die Post-Corona-Phase erstellen“, erklärt Schaunig. Seit 2016, also über fast vier Jahre hinweg, sei es gelungen, die Arbeitslosigkeit in Kärnten kontinuierlich zu senken. „Dann kam der Corona-Schock. Die Herausforderung, vor der wir jetzt stehen, ist groß, aber wir fangen nicht bei null an. Wir haben die Partner, wir haben die Einrichtungen, die Werkzeuge, das Know-how und vor allem haben wir die Entschlossenheit, Menschen, die von Arbeitslosigkeit betroffen sind, bestmöglich zu unterstützen“, betont Schaunig.

Apell für Erhöhung von Arbeitslosengeld

Einmal mehr appellieren Kaiser und Schaunig an den Bund, das Arbeitslosengeld zu erhöhen: „Menschen verlieren unverschuldet ihre Jobs. Viele werden in der derzeitigen Situation keinen sehr raschen Wiedereinstieg schaffen. Die Nettoersatzrate von 55 Prozent ist angesichts dessen viel zu niedrig. Das durchschnittliche Arbeitslosengeld lag 2018 bei rund 960 Euro monatlich, das ist deutlich unter der Armutsgrenze.“

Kritik von FPÖ-Darmann

Vor dem Hintergrund der neuesten Arbeitslosenzahlen kritisiert der Kärntner FPÖ-Chef Klubobmann Gernot Darmann in einer Aussendung die „Untätigkeit der SPÖ-geführten Kärntner Landesregierung“. Darin erklärt er: „Statt Steuererhöhungspläne zu wälzen, muss LH Peter Kaiser endlich Maßnahmen für die massiv betroffenen Arbeitnehmer und Unternehmer in Kärnten ergreifen. Die FPÖ-Idee eines eigenen Kärntner Corona-Unterstützungsfonds liegt seit einem Monat am Tisch, aber geschehen ist seither nichts. Wir brauchen dringend dieses Unterstützungspaket für die Kärntner Betriebe und unsere Arbeiter und Angestellten, wie es andere Bundesländer längst umgesetzt haben.“

Darmann fordert: „Angesichts der Corona-Krise ist es höchst an der Zeit, dass Wirtschafts- und Tourismusreferent LR Schuschnig endlich die vielen Auflagen, die überbordende Bürokratie und die Gesetzesschikanen streicht, damit zumindest dadurch den Kärntner Betrieben sofort geholfen wird.“

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