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Leute - Villach
Interview
SYMBOLFOTO © pixabay

Mutter bricht ihr Schweigen:

Missbrauchsfall um damals 7-Jährige: „Mama, glaubt man mir?“

Villach Land – Eine obszöne Zeichnung in der Schultasche des kleinen Mädchens brachte den Fall im März 2019  ins Rollen. Im Raum stehen Vergewaltigung, geschlechtliche Nötigung und schwerer sexueller Missbrauch einer Unmündigen. Das vermeintliche Opfer soll bei der ersten Tat erst sieben Jahre alt gewesen sein. Mit 5 Minuten spricht die Mutter der Kleinen über das ewige Hin und Her rund um die Verhandlung.

 5 Minuten Lesezeit (630 Wörter) | Änderung am 12.06.2020 - 10.47 Uhr

Das Mädchen lebte mit dem Angeklagten, ein Pensionist (60), unter einem Dach in Villach Land. Es soll sich beim Angeklagten um ein Familienmitglied, genauer gesagt dem Onkel des Stiefvaters des heute 9-jährigen Mädchens handeln. Bereits im Jänner 2020 war der Fall vor Gericht verhandelt worden. 5 Minuten berichtete damals. Der Prozess wurde jedoch auf unbestimmte Zeit vertagt – es gilt die Unschuldsvermutung für den Angeklagten.

„Unterstützung hat es nicht gegeben“

„Es ist nicht einfach auf ein Urteil zu warten“, berichtet die Mutter des heute 9-jährigen Mädchens im Gespräch mit 5 Minuten, viele Fragen gehen einem durch den Kopf. Längst wurde der Fall für die Familie zum Martyrium. „Der Anfang war am schwersten. Der Boden wurde mir unter den Füßen weggerissen“, berichtet die Mama. „Ich habe meine Arbeit dadurch verloren [und] die gesamte Schwiegerfamilie hat sich gegen uns gewandt.“ Beleidigungen und Vorwürfe standen an der Tagesordnung. „Es hieß zum Beispiel ‚Du bist ja selbst schuld‘ und das noch mit einem Lächeln im Gesicht.“ Deshalb wurde der Kontakt komplett abgebrochen.

„Was ist, wenn sie lügt?“

Der Tag, an dem alles ans Licht gekommen ist, sei für die Mutter heute noch so präsent, wie damals. „Meine Schwiegermutter hat mir und meinem Mann gesagt, wir sollen es nicht melden. Was ist, wenn sie lügt?„, hieß es damals. Ein Bekannter beim Landeskriminalamt half Mutter und Tochter. „Bei der Aussage meiner Tochter hörte ich die meisten Sachen zum ersten Mal“, weiß die Mutter noch. „Solche sexuellen Erlebnisse aus dem Mund meiner damals 8-jährigen Tochter zu hören, waren herzzerreißend.“ Die Kleine möchte vor anderen auch nicht mehr darüber sprechen.

„Mama, glaubt man mir?“

Die darauffolgenden Wochen und Monate waren unvorstellbar. „Ich wurde an den Pranger gestellt“, so die Mutter. „Wir haben Sachen gehört, die seitens der ‚Familie‘ erzählt wurden, doch nach unserer Sichtweise wurde nie gefragt.“ Hinter der Mutter liegen viele schlaflose Nächte. Gespräche mit ihrer kleinen Tochter, die ihr immer wieder die selbe Frage stellt: „Mama glaubt man mir?“. „Sie hat mich sehr oft gefragt:“Mama, warum genau ich?“‚Mama, ich will nicht mehr leben, weil dann wäre das alles vorbei!‘. Diese Worte aus dem Mund meines Kindes zu hören ist so schwer.“ Kraft gab es von ihrem Mann, ihren Eltern, ihren Schwestern und ihrem Bruder. „Alle anderen gehören für mich einfach nicht mehr dazu“, so die Mutter.

Geht das, beim Prozess den Angeklagten zu sehen…?

„Ganz ehrlich? Ich konnte ihn nicht ansehen. Er ist hinter mir gesessen, ich konnte seinen Atem hören. Es ist eigentlich abartig“, und wenn man sich noch anhört was er mir als Mutter vorwirft, „dass ich für mein Kind nicht da war, ich hatte keine Beziehung zu meinem Kind, gekocht und gewaschen habe ich auch nie, um nur ein paar Dinge zu nennen“, so die Mutter und erklärt, wie schlimm es ist, wenn zum Leid, zu den vielen Gedanken auch noch solche Vorwürfe von anderen kommen.

Prozess wird fortgeführt

Mehrmals hat die Tochter ihre Aussage nun schon wiederholt. Beim LKA, vor Gericht und vor Sachverständigen. „Bei diesen Terminen hat sie den Tathergang detailliert geschildert“, erklärt die Mama. Demnächst wird der Prozess fortgeführt. Mutter und Tochter hoffen, dass ein gerechtes Urteil gefällt wird. „Wir sind natürlich sehr nervös. Es ist nicht einfach darauf zu warten“, so die Mama. „Mein Wunsch ist es einfach Ruhe zu haben. Das ich wieder ruhig schlafen kann, ohne bis spät in die Nacht wach zu bleiben. Gerechtigkeit. Aber was ist gerecht? Vermutlich ist aber kein Urteil hoch genug, für das Leid das meiner Tochter angetan wurde.“ Es gilt die Unschuldsvermutung.

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