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Wirtschaft - Klagenfurt
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Eigentümer steigen auf die Barrikaden

Alter Platz: Haus­besitzer fürchten Zu­griff durch Denk­mal­schutz

Alter Platz – „Häuserkampf“: Der gesamte Alte Platz soll laut 5 Minuten vorliegenden Dokumenten unter Denkmalschutz gestellt werden. Händler und Eigentümer steigen auf die Barrikaden. Wertverlust und Leerstände befürchtet. Denkmalamt um Beruhigung bemüht.

 6 Minuten Lesezeit (768 Wörter) | Änderung am 17.08.2020 - 07.31 Uhr

Von Franz Miklautz. Die lauschige Cappuccino-Idylle am Alten Platz trügt. Hinter den Fassaden der historisch alten Gemäuer brodelt es: Anfang Juli dieses Jahres erreichte die Eigentümer der zum Teil Jahrhunderte alten Häuser ein folgenreicher Brief. Absender: Das Bundesdenkmalamt (BDA). In dem Papier wird den Besitzern mitgeteilt, dass das BDA „beabsichtigt, das Ensemble ,Alter Platz Klagenfurt‘ […] wegen seines geschichtlichen, künstlerischen und kulturellen Zusammenhanges […] als Einheit unter Denkmalschutz zu stellen […].“ Das Schreiben und das Amtsgutachten des BDA liegen 5 Minuten exklusiv vor.

Insgesamt handelt es sich beim genannten Ensemble um 35 Adressen. Darunter die Häuser bekannter Klagenfurter Namen: Orsini-Rosenberg, Zehrer, Goess, Hübner oder Scarsini. 13 der Häuser stehen per Bescheid bereits seit Jahren unter Denkmalschutz. Zusammen mit den anderen 22 Häusern am Platz und der Pestsäule ergeben sie besagtes BDA-Vorhaben: Den „Ensembleschutz Alter Platz“.

„Weitere Leerstände in Klagenfurt“

Doch nun baut sich Widerstand gegen die BDA-Pläne auf: „Mein Anwalt hat Stellungnahme gegen das Vorhaben eingebracht“, sagt etwa Heinz Dolenc, Mitbesitzer eines historisch alten Hauses am Ostende des Platzes. Der Grund: Dolenc befürchtet, dass seine Immobilie durch den Ensembleschutz an Wert verliert. „Der Denkmalschutz ist ein Hemmschuh für Adaptierungen am Haus.“  Er befürchte, sagt Dolenc, dass durch die Beschränkungen möglicher Umbauten gewerbliche Mieter in Zukunft ausbleiben könnten und „so weitere Leerstände in Klagenfurt produziert werden“. Das BDA bestätigt auf Anfrage von 5min.at, dass im Verfahren bereits mehrere Stellungnahmen von Eigentümern eingebracht wurden.

„Wer anschafft, soll zahlen“

Auch Peter Nimmervoll, Chef des bekannten Süßwarengeschäfts „Zehrer“ am Alten Platz, wehrt sich gegen den Ensembleschutz: „Umbauten sind damit fast unmöglich.“ Er sehe sogar eine Verfallsgefahr auf die Häuser zukommen: „Wenn keine Veränderungen mehr vorgenommen werden dürfen, bleiben die Mieter aus. Wenn die Mieter ausbleiben, kriegt man die Kosten für das Haus nicht mehr herein.“ Und der Erhalt der alten Häuser würde Unmengen verschlingen. Nimmervoll wandelt deshalb den Spruch „Wer zahlt, schafft an“ ab in: „Wer anschafft, soll zahlen.“ Ein Wink in Richtung BDA als Initiator des befürchteten Ensembleschutzes. Allerdings werde er, Nimmervoll, keinen Einspruch erheben: „Gegen den Denkmalschutz bist Du immer der Zweite.“

„Nicht so heiß gegessen, wie gekocht“

Man werde die Häuser weiterhin adaptieren können, beruhigt Robert Piechl, Chef der Klagenfurter Stadtplanung. „Das wird nicht so heiß gegessen, wie gekocht.“ Außerdem müssten auch jetzt schon die Umbauten mit der Stadtplanung akkordiert werden, sieht Piechl nicht viel Veränderung auf die Eigentümer zukommen. Aber genau darin ortet Nimmervoll das Problem: „Weil sich die Ämter untereinander nicht einig sind, kriegt man kaum einen Balkon in den Innenhof gestattet.“ Auf die Frage, ob nicht auch die Öffentlichkeit ein Anrecht auf die Unversehrtheit der historischen Gebäude habe, sagt Nimmervoll: „Dann muss die Öffentlichkeit auch die Kosten für die Häuser übernehmen.“

Lilihill-Umbau nicht betroffen

Den Umbau der Häuser Alter Platz 34 und 35, sie gehören teils zur Lilihill-Gruppe des Investors Franz Peter Orasch, sieht Piechl nicht gefährdet: „Das war schon lang vor der Denkmalschutz-Diskussion genehmigt.“ Dort sollen unter dem Projektnamen „The Store“ Einkaufsflächen entstehen.

Auch die Obfrau der Innenstadtkaufleute, Cornelia Hübner, sieht wenig Chancen, gegen das BDA aufzumucken: „Da kann man wenig ausrichten. Außerdem übernimmt keine Rechtsschutzversicherung die Gerichtskosten“, sagt die Kauffrau. „Wer will schon gegen die Republik klagen?“ Doch auch sie will Einspruch erheben. Und zwar wegen ihres Daches, das keinen Denkmalcharakter habe, so Hübner. Ansonsten sehe aber auch sie keine großen Veränderungen auf die Eigentümer zukommen: „Es ist auch jetzt schon so, dass wir ohne die Zustimmung der Stadt kaum etwas verändern dürfen.“

„Kleine Enteignung“

Das BDA antwortet auf Anfrage nach den Auswirkungen auf die Eigentümer: „Die Bestimmungen des Denkmalschutzes gelten für Ensembleobjekte gleich wie für Einzeldenkmale.“ Das Amt stellt jedoch fest, dass es ihm wichtig sei, „dass geschützte Gebäude bewohnt und benützt werden und der Alte Platz weiterhin ein lebendiges Zentrum bleibt“. Was wohl im Sinne von Angelika Grillitsch, einer der betroffenen Eigentümerinnen, sein dürfte. Befürchtet sie doch, dass der Ensembleschutz quasi „einer kleinen Enteignung“ gleichkommen könnte. Ähnlich wie Dolenc, der bangt, dass sich die Schönheit der alten Gebäude letztlich „in einen wirtschaftlichen Nachteil verkehrt“.

Der Autor:

Der Klagenfurter Franz Miklautz ist als Investigativjournalist tätig. Unter anderem betreibt er die Plattform mediapartizan.at, auf der er regelmäßig Missstände aufdeckt. Er war nominiert für den Literaturpreis Wartholz VII und ist Gewinner des “Erostepost”-Literaturpreises 2014.

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