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Leute - Kärnten
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DAS ist Kärnten

Martin Hoi: Der stärkste Mann Kärntens ganz privat

Kärnten – In unserer neuen Kolumne „DAS ist Kärnten“ wollen wir euch ab sofort jeden Sonntag spannende Kärntner Persönlichkeiten von einer ganz neuen Seite präsentieren. Den Start macht Martin Hoi, der stärkste Mann Kärntens.

 8 Minuten Lesezeit (1055 Wörter) | Änderung am 04.01.2021 - 05.49 Uhr

Von Lukas Moser. Er zieht Lastwägen und Schiffe, holt Hubschrauber vom Himmel und verbiegt Eisenstangen, als wären sie aus Gummi – und all das mit seiner eigenen Muskelkraft. Der gebürtige Klagenfurter Martin Hoi ist unbestritten der stärkste Mann Kärntens. Der erste Teil von „DAS ist Kärnten“ blickt jedoch auf eine Seite des Muskelprotzes, die man sich in dieser Form kaum vorstellen kann.

„Je mehr Muskeln, desto weniger im Kopf“

So hört man Menschen oft klischeehaft sagen. Hoi ist der Gegenbeweis: Er absolvierte nicht nur die AHS-Matura, sondern sicherte sich bald darauf auch zuerst das allgemeine und später auch das psychiatrische Diplom zum Diplomierten Gesundheits- und Krankenpfleger – eine Ausbildung, die man ihm auf den ersten Blick kaum zutrauen würde. Derzeit arbeitet Hoi in der Abteilung für Psychiatrie und Psychotherapie im Klinikum Klagenfurt.

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Hoi wiegt um die 185 kg und verfügt über eine Körpergröße von 195 cm

Hoi wiegt um die 185 kg und verfügt über eine Körpergröße von 195 cm - © cbfoto

Schadet die mächtige Statur in diesem Job nicht?

Ob seine mächtige Statur ihm in diesem Job schadet? Das Gegenteil sei der Fall, erwidert er begeistert und erzählt: „Eine schwierige Situation wurde deeskaliert, nur weil ein hoch angespannter Patient mich erkannt und gesagt hat: ‚Sie kenne ich, sind Sie nicht der, der die LKWs zieht?'“ Durch diesen persönlichen Bezug könne man bereits eine Beziehung aufbauen. Hoi signalisiert Bescheidenheit: „Das ist aber nicht so, dass ich mich damit in der Arbeit hervorheben oder profilieren will. Ich kann damit eben einen guten Kontakt zu den Patienten finden, und zwar auf einer entspannten, empathischen und persönlichen Ebene. Das ist ja das Essenzielle bei unserer Arbeit.“

Hoi hat auch ein großes Herz für Tiere

Ein Hobby, das man einem solchen Extrem-Kraftsportler vielleicht ebenfalls nicht zutrauen würde, ist wohl jenes der Kleintierzucht. „Mit Tieren beschäftige ich mich, seit ich fünf Jahre alt war.“ Zu seinem fünften Geburtstag habe er ein Aquarium bekommen, etwas später eine Landschildkröte und am Ende seiner Kindheit, so meint Hoi, habe er wohl sämtliche Kleintierarten gehalten. Aber nicht nur das: Er züchtete sie auch: „Mit acht Jahren habe ich alle möglichen Fischarten nachgezüchtet und mit zehn hatte ich 15 Aquarien und habe mit dem Verkauf der Fische notwendiges Material und Futter gekauft.“ Ähnlich war es bei Hamstern, Meerschweinchen und Zwerghasen. Auch für verschiedenste Tierparks habe er schon Tiere (teils in Miniaturform) nachgezüchtet.

Sein Steckenpferd ist jedoch die Geflügelzucht: „In den letzten 10 bis 15 Jahren habe ich mich stark darauf konzentriert.“ Besonders am Herzen liege ihm dabei die Erhaltungszucht von ausgestorbenen Geflügelrassen, wie dem Nackthalshuhn. Aktuell sei er dabei, ihre Qualität noch einmal zu unterstreichen: „Ich werde heuer versuchen, den Hähnen das Lachen beizubringen.“ Was wie ein Witz klingt, ist tatsächlich wahr: Hoi hat sich bereits die indonesische Hühnerrasse „Ayam ketawa“ besorgt. Das Besondere an dieser Rasse: Die Hähne krähen nicht, sondern lachen. Er will versuchen, die beiden Hühnerrassen zu kreuzen: „Wer wird nicht gerne um 6 in der Früh durch ein Lachen geweckt!“

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Martin Hoi mit Höckerganter Gustav und seiner Neuzüchtung, dem Mittelkärntner Nackthalshuhn.

Martin Hoi mit Höckerganter Gustav und seiner Neuzüchtung, dem Mittelkärntner Nackthalshuhn. - © KK

Der Muskelprotz lebte vegetarisch!

Ob er trotz seiner Liebe zu Tieren aus sportlichen Gründen nie damit spekuliert habe Vegetarier zu werden? „Doch, doch. Ich wollte wissen, was es für einen Effekt hat, wenn ich auf tierisches Eiweiß verzichte.“ Die Auswirkungen? „Das Körpergewicht blieb gleich, von der Kraft und der Qualität der Muskulatur habe ich etwas verloren.“ Sein Resümee: „Ich glaube leider trotzdem nicht, dass das gesamte Aminosäure-Spektrum, das für den Muskelaufbau notwendig ist, über vegetarische Ernährung gänzlich aufgenommen werden kann. Leichter ist es sicher mit tierischen Produkten.“

Papa als Vorbild?

Bei einer solch großen Anzahl an Hobbys neben dem Spitzensport und einem belastenden Vollzeit-Job stellt sich natürlich die Frage nach dem Familienleben – immerhin ist Hoi verheiratet und dreifacher Familienvater. Doch auch hier hat er eine Lösung gefunden: „Ich trainiere erst ab 23 Uhr. Ich möchte nicht, dass mein Training das Familienleben belastet.“ Seiner Frau wäre es lieber, wenn er mit dem Extremsport aufhören würde: „Erstens hätte ich mich laut ihr ausgelebt und zweitens steigt im Alter auch wirklich das Verletzungspotential“. Aufgrund der Corona-Krise trainiert er aktuell zu Hause: „Wenn die Kinder wollen, sind sie beim Training mit dabei und machen selbst ein paar Liegestütze. Ich achte aber stark darauf, dass alles kindgerecht ist.

Hoi im Dienst der guten Sache

Doch nicht nur bei Tieren oder seiner Familie zeigt der Rekord-Muskelmann Herz: Viele seiner Weltrekordversuche stellt er in den Dienst der guten Sache für Benachteiligte und psychisch oder physisch Beeinträchtigte. Hoi: „Im Laufe der Jahre habe ich mir ein Netzwerk erarbeitet. Durch dieses kann ich Leute, die normalerweise gesellschaftlich außerhalb oder am Rande stehen, fördern und in den Mittelpunkt rücken.“ So habe er etwa vor kurzem Kontakte für einen Taucher, der im Rollstuhl einen Weltrekord aufstellen wollte, hergestellt und dieser habe es dann umgesetzt.

Aber auch Events im Bereich der Special Olympics oder Kinderveranstaltungen sind ihm äußerst wichtig: „Kinder müssen die Bestätigung bekommen, dass sie etwas schaffen können. Das spielt auch in meiner Erziehung eine große Rolle.“ Vor einem seiner Weltrekordversuche (er zog hierbei einen LKW mit einem Finger) am St. Veiter Hauptplatz habe er daher auch gemeinsam mit 20 Kindern einen LKW gezogen.

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Viele seiner Weltrekordversuche stellt Hoi in den Dienst der guten Sache. - © cbfoto.at

„Auf je mehr Beinen ein Stuhl steht, desto stabiler ist er“

Bei all diesen Aspekten stellt sich unweigerlich die Frage, ob das Bild vom eisenharten Muskelmann in Wahrheit nur ein falsches Klischee ist. Hoi trocken: „Je facettenreicher man(n) ist, desto stabiler ist man im Leben. Auf je mehr Beinen ein Stuhl steht, desto stabiler ist er.“ Dem bleibt nichts hinzuzufügen…

Fortsetzung folgt!

Lest am nächsten Sonntag im zweiten Teil, welche Ziele Hoi für 2021 im Blick hat und mit welcher Sportart er bald alle begeistern will, wie sich der persönliche „Kampf“ während seiner Jugend gestaltete und warum er planmäßig erst 2068 vom aktiven Sport zurücktreten wird.

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