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Aktuell - Kärnten
© Bergrettung Klagenfurt

Retter stundenlang im Einsatz:

„Leute lösen eine Lawine aus und hauen einfach ab, ohne sie zu melden“

Kärnten – Derzeit ist einiges los in den Bergen. Leider passieren dabei immer wieder Unfälle. Allein am Samstag gab es drei Lawinenabgänge in Kärnten. Dabei begingen einige Zivilisten "Fahrerflucht" ... 

 3 Minuten Lesezeit (423 Wörter) | Änderung am 18.01.2021 - 10.27 Uhr

Kurt Müller, Ortsstelleneiter der Bergrettung Klagenfurt dazu im Interview mit 5 Minuten: „Es passiert immer wieder, dass Personen eine Lawine auslösen und dann einfach verschwinden, ohne diese zu melden“.

„Jede Lawine ist zu melden“

Rettungskräfte sind dann stundenlang im Einsatz und für eventuell Verschüttete bedeutet jede verstrichene Minute Lebensgefahr. „Jede Lawine ist zu melden. Egal wer sie ausgelöst hat und egal ob jemand verschüttet wurde oder nicht“, betont Müller. Ganz wichtig dabei ist: „Wenn man meldet, dass man eine Lawine ausgelöst hat, bekommt man keine Strafe. Wenn man aber einfach abhaut, kommt das einer Fahrerflucht gleich“.

Stundenlange Suche umsonst

„Es gab schon Einsätze, wo jemand ganz genau gesehen hat, dass nichts passiert ist und wir haben vier bis fünf Stunden lang ‚umsonst‘ nach Verschütteten gesucht“, erinnert sich der Bergretter. Allein vergangenes Wochenende waren, wegen fehlender Meldung, mehrere Hubschrauber und über 100 Person über viele Stunden lang im Einsatz. Darunter waren Zivilisten, Bergretter und Beamte der Alpinpolizei. „Oft fehlen diese Einsatzkräfte dann an Orten, wo sie wirklich gebraucht werden. Das kostet Zeit, Nerven und Geld.“

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Jedes Mal muss die gesamte Lawine sondiert und abgesucht werden.

Jedes Mal muss die gesamte Lawine sondiert und abgesucht werden. - © Bergrettung Klagenfurt

„Ohne diese drei Dinge geht man nicht auf den Berg“

Um den Einsatzkräften das Leben zu erleichtern und um sich selbst besser zu schützen, sollte man sich gut informieren bevor man auf den Berg geht. „Grundsätzlich ist es gescheit zu zweit oder in Gruppen zu gehen. Dabei sollte mindestens eine Person Ahnung von der Materie haben“, erklärt Müller. Zu der Grundausstattung, die jeder dabei haben sollte, gehören drei Dinge: Eine Schaufel, eine Sonde und ein LVS (Lawinen Verschütteten Suchgerät) mit dem man vorher schon geübt hat.

Eine viertel Stunde entscheidet über Leben und Tod

„Bei den Vorfällen am Wochenende hatte niemand der Betroffenen ein LVS mit. Das kommt einem Selbstmord gleich“, ärgert sich der Klagenfurter Bergretter. Die ersten 15 Minuten nach einem Lawinenabgang sind lebensentscheidend. In dieser Zeit liegt die Überlebenschance bei 90 Prozent. Danach sinkt sie rapide. „Wir brauchen aber vom Zeitpunkt der Alarmierung meist eine gute Stunde bis zum Einsatzort. Deshalb haben wir dann, so brutal es klingt, zu 99 Prozent Totbergungen“.

„Schaltet euer Hirn ein“

Der Appell des Bergretters: „Bitte schaltet euer Hirn ein. Mit dieser Schneelage ist nicht zu spielen. Informiert euch, trainiert den Umgang mit den Geräten, meldet jede Lawine, die ihr seht und seit wachsam. Euer Verhalten kann euer eigenes Leben, oder das eines anderen Skitourengehers retten.“

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