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Leben - Kärnten
Para-Skifahrer Markus Salcher
Para-Skifahrer Markus Salcher © Yurey Kim

DAS ist Kärnten

Para-Skiprofi Markus Salcher: “Es stand nie zur Debatte, ob ich Skifahrer werde”

Kärnten – In „DAS ist Kärnten“ stellen wir euch den Para-Skifahrer Markus Salcher (29) vor. Der seit seiner Geburt halbseitig gelähmte Klagenfurter ist mehrfacher Paralympics- und WM-Medaillengewinner in Abfahrt, Super-G, Riesentorlauf und Kombination, Gesamtweltcup-Sieger und wurde bereits drei Mal als Österreichs Behindertensportler des Jahres ausgezeichnet.

 9 Minuten Lesezeit (1155 Wörter) | Änderung am 07.02.2021 - 18.13 Uhr

Von Lukas Moser. Man „bemerkt“ schnell: Die halbseitige Lähmung des Para-Skifahrers Markus Salcher fällt nicht auf. „Hier hat mir das Training extrem weitergeholfen, aber natürlich auch die Operationen an der Uniklinik Graz 1999 und 2005.“ Dass die Behindertensportler teils auch direkt auf jenen Rennstrecken fahren, auf denen kurz zuvor etwa Matthias Mayer und Co. um den Sieg kämpften, ist umso beeindruckender. So finden etwa die Paralympics am selben Ort und auf der gleichen Rennstrecke statt.

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“Das Training hat mir extrem weitergeholfen”

“Das Training hat mir extrem weitergeholfen” - © Technogym

„Die nicht vorhandene gesellschaftliche Beachtung ist schade“

Gerade unter diesen Gesichtspunkten ist es ernüchternd, wie wenig Aufmerksamkeit der Behindertensport bekommt. „Im Prinzip sind unsere Rennen schon gleich attraktiv wie jene, die ein Millionenpublikum vor die TV-Geräte lockt”, findet Salcher. Aber gerade bei der medialen Präsenz gibt es großen Aufholbedarf: „Natürlich werden sich die Menschen aber immer mehr für die Olympischen Spiele interessieren.” Augenzwinkernd meint der bescheidene Sportler: „Statt der hundertsten Wiederholung eines Fußballspiels aus den 1980ern könnte man durchaus einmal mehr von unseren Rennen bringen.“

Dabei sei man in Österreich noch in einer vergleichsweise komfortablen Lage: „Wir sind als Behindertensportler vollends im ÖSV integriert, das haben wir etwa Deutschland voraus.“ An der Spitze stünde hier neben Kanada jedoch überraschenderweise Russland. Dort seien auch die Behindertensportler Vollzeitprofis, die rein von ihrer sportlichen Aktivität leben können. Nach der Austragung der Olympischen und Paralympischen Spiele 2014 investierte man in Russland enorm in den Behindertensport und so freut sich der gebürtige Klagenfurter insbesondere auf das dortige Weltcup-Finale im heurigen Jahr: „Die machen dort gar keinen Unterschied, ob dies nun ein ´normaler´ oder ein Para-Weltcup ist. Das ist immer bestens organisiert.“

“Es stand nie zur Debatte, ob ich Skifahrer werde”

Ob die Kategorisierung als „Behindertensportler“ für ihn nicht auch einen negativen, diskriminierenden Touch habe? Er verneint: „Es kommt eigentlich nur darauf an, wie man sich selbst sieht.“ Er selbst habe hier keine Hemmungen, doch würde dies stark davon abhängen, ob man sich mit dem eigenen Schicksal abfinden kann. Dass Salcher zum Skisport fand, ist nicht verwunderlich: Sein älterer Bruder Lukas fuhr ebenfalls Rennen und sein Vater war u.a. Cheftrainer im Nachwuchsbereich: „Es stand nie zur Debatte, ob ich Skifahrer werde. Die Frage war nur, ob ich den Sprung in Richtung Spitze schaffen kann.“

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Markus Salcher mit seinem stolzen Vater.

Markus Salcher mit seinem stolzen Vater. - © Markus Salcher

“Das wäre vor 20 Jahren unmöglich gewesen”

Die Perspektive war früher jedoch noch eine grundlegend andere, denn Behindertensport konnte damals generell nur als Hobby ausgeübt werden. „Dementsprechend bin ich sehr dankbar, dass ich als Behindertensportler im Zollsport-Kader integriert und damit mehr oder minder Profisportler bin. Das wäre vor 20 Jahren unmöglich gewesen.“ Seine herausragenden Leistungen ebneten ihm den Weg. Heute kann er sich neun Monate im Jahr auf den Sport, die Trainings und Wettkämpfe konzentrieren. Die restlichen drei Monate verrichtet er seinen Dienst beim Zoll.

Salcher bekam den Segen vom Papst

Trotz der vielen Medaillen, die er in seiner Karriere bereits gewinnen konnte, war der Gesamtweltcupsieg für ihn das bisherige Karriere-Highlight: „Wenn man den Gesamtweltcup gewinnt, ist das eben nicht auf die Tagesverfassung zurückzuführen, sondern es zeigt, dass man die gesamte Saison hindurch der kompletteste Schifahrer war.“ Neben dem Gesamtweltcup-Sieg werden ihm trotzdem insbesondere die Paralympics 2014 in Erinnerung bleiben, wo er binnen weniger Tage zwei Gold- und eine Bronze-Medaille gewinnen konnte.

Die vergangene Saison wurde aufgrund der Pandemie abgebrochen, wodurch dem am Ende zweitplatzierten die Chance auf den zweiten Sieg im Gesamtweltcup genommen wurde. Salcher sieht es aber positiv: „Ich hatte immerhin das Glück, dass ich im Super-G-Weltcup um fünf Punkte vorne lag und theoretisch hätte ich das ja auch verlieren können, hätte es den Abbruch nicht gegeben.” Seine Leistungen brachten ihn auch einmal zu einer ganz besonderen Begegnung. Gemeinsam mit einer Delegation konnte er Papst Franziskus persönlich treffen: „Das war schon eindrucksvoll. Den Papst in einem so kleinen Rahmen und in eigentlich privatem Umfeld kennenzulernen, war eine große Ehre.“

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Salcher holte mehrmals Gold bei Paralympischen Spielen und WMs und ist dreifacher österreichischer Behindertensportler des Jahres.

Salcher holte mehrmals Gold bei Paralympischen Spielen und WMs und ist dreifacher österreichischer Behindertensportler des Jahres. - © Yurey Kim

„Man muss seine Grenzen kennen”

Ob er überhaupt noch Ziele habe? „Ja, ganz oben steht dabei die kommende Saison mit den Paralympics in Peking und der WM in Hafjell – zu Letzterer wäre man gerade jetzt Anfang Februar aufgebrochen, doch machte auch hier wieder Corona einen Strich durch die Rechnung. Der Klagenfurter gibt sich kämpferisch: „Nun will ich bei beiden Großevents um Medaillen kämpfen und dann habe ich, falls es gesundheitlich passt, schon noch fünf, sechs Jahre im Profisport – Skifahren ist einfach meine Passion.“ Dabei ist die Verletzungsgefahr im Behindertensport keinesfalls klein. Bei Salcher ist aufgrund seiner halbseitigen Lähmung insbesondere die Koordination eine Herausforderung. „Man muss seine Grenzen kennen und das Risiko ausloten. Das Schöne im Behindertensport ist aber umgekehrt, dass man sich permanent weiterentwickeln kann und das ist neben der Jagd nach Medaillen die tollste Motivation.“

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Salcher: “Man muss seine Grenzen kennen und das Risiko ausloten.”

Salcher: “Man muss seine Grenzen kennen und das Risiko ausloten.” - © Benedikt Lex

Salcher kämpft für beeinträchtigte und sozial diskriminierte Kinder

Salcher hat aber auch ein großes Herz für den Nachwuchs: So ist er Botschafter für die „Laureus Sport for Good“-Stiftung, wo es ihm besonders wichtig ist, beeinträchtigte und sozial diskriminierte Kinder zu unterstützen und ins Zentrum zu rücken. Am Nassfeld hat er sein eigenes Projekt, genannt „Schneetiger“, gegründet: „Ziel dieser Initiative ist es, diesen Kindern den Weg zum Wintersport zu erleichtern, um in der Gesellschaft auch Akzeptanz dafür zu schaffen – beim Skifahren hat doch jeder, ob beeinträchtigt oder nicht, dasselbe Ziel: Am schnellsten von oben nach unten zu kommen.“ Darüber hinaus engagiert er sich trotz seiner Beeinträchtigung bei der Freiwilligen Feuerwehr Hauptwache in Klagenfurt.

Mit der Unterstützung der Freundin zu neuen Höhen

Im Alltag brauche er generell nicht viel Hilfe, denn er habe sich gewisse Techniken einfallen lassen und Tricks angelernt. Ob es nicht trotzdem Dinge oder Situationen im Alltag gibt, mit denen er aufgrund seiner Beeinträchtigung nicht zurechtkommt? Er muss lange überlegen, um dann doch noch auf einen Punkt zu kommen: „So fein, wie meine Freundin Lisa etwa das Gemüse schneidet, würde ich das nie schaffen.“ Salchers Partnerin Lisa Wieland ist Köchin. Es bleibt zu hoffen, dass ihre (kulinarische) Unterstützung das Kärntner Aushängeschild zu weiteren sportlichen Höhenflügen treiben kann…

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Markus Salcher mit seiner Partnerin Lisa Wieland

Markus Salcher mit seiner Partnerin Lisa Wieland - © Markus Salcher

Fortsetzung folgt

Fortsetzung folgt: Im Rahmen von „DAS ist Kärnten“ holen wir bemerkenswerte Kärntnerinnen und Kärntner vor den Vorhang. Du kennst auch einen besonderen Menschen aus unserem Bundesland? Dann sende uns deinen Vorschlag an redaktion[email protected]

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