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Leute - Kärnten
Rechtsanwälting Birgit Brass:
Rechtsanwälting Birgit Brass: "Der Lockdown hat den Leuten merklich Stress bereitet." © Montage: Pexels & Brass

Hättet ihr das gedacht?

Rechtsanwältin: „Das sind die häufigsten Scheidungs­gründe im Lockdown“

Villach – Mittlerweile kämpfen wir seit rund einem Jahr mit der Corona-Pandemie. Die Situation zehrt an den Nerven aller. Das spürt auch die Villacher Rechtsanwältin Mag. Birgit Brass: "Die Scheidungsanfragen sind spürbar angestiegen", bestätigt sie im Gespräch mit 5 Minuten. Schuld seien unter anderem der steigende Alkoholkonsum und psychische Erkrankungen der Partner. 

 3 Minuten Lesezeit (428 Wörter) | Änderung am 06.03.2021 - 19.02 Uhr

Im März 2020 begann in Österreich der erste Lockdown. „Zu diesem Zeitpunkt herrschte bei uns Flaute“, erinnert sich Rechtsanwältin Birgit Brass zurück. Alles wurde gestoppt. Es gab keine Gerichtsverhandlungen mehr. Angesetzte Scheidungstermine wurden auf nach dem Lockdown verschoben.

Danach ging es los

Die verschobenen Termine standen an, zusätzlich kamen etliche neue Scheidungen hinzu. „Die Anfragen sind spürbar angestiegen“, bestätigt die Rechtsanwältin. Etwas Ähnliches habe Brass – die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit Scheidungen beschäftigt – bisher noch nicht erlebt. „Früher stiegen die Anfragen saisonal nach den Weihnachtsfeiertagen oder nach den Sommerurlauben an.“ Der Lockdown habe den Leuten aber merklich Stress bereitet. Auch das Aggressionspotenzial erhöhte sich, vor allem innerfamiliär. „Die Eheleute waren aggressiv und ungeduldig, weil sie nicht mehr miteinander unter einem Dach leben wollten.“ Die neuen Herausforderungen, wie das Arbeiten im Home-Office und das Home-Schooling der Kinder steigerten diese Gefühle nur noch.

Die Jugendlichen waren die Leidtragenden

Weiters hatten die Spannungen auch Auswirkungen auf die im Haushalt lebenden Jugendlichen. „Sie hatten Suizidgedanken, waren teils sogar suizidgefährdet und wollten unbedingt weg von Zuhause.“ Einige Jugendliche seien sogar von Zuhause ausgebrochen. „Es war extrem“, beschreibt Brass die Situation. Oft hätten die Streitereien der Eltern den Jugendlichen schon vor der Pandemie psychisch zugesetzt. Der Lockdown habe alles nur noch mehr verschärft.

Die häufigsten Scheidungsgründe im Lockdown

Die häufigsten Scheidungsgründe seien – laut Brass – immer noch Fremdgehen oder das sich die Paare einfach auseinandergelebt haben. „Im Lockdown spielte aber auch immer wieder der Alkoholkonsum eines Partners eine große Rolle“, weiß die Rechtsanwältin. „Oft wurden die Leute im alkoholisierten Zustand dann auch aggressiv.“ Neu hinzu kamen auch psychische Erkrankungen der Eheleute. „Durch den Lockdown entstanden Depressionen. Manche kamen damit nicht klar, ihren Partner in dieser Ausnahmesituation zu sehen. Sie wurden mit dem veränderten Verhalten nicht fertig.“ Die Folge war eine Scheidung.

Oder doch nicht?

„Wenn ich merke, dass es noch einen Funken zu retten gibt, schicke ich die Leute vorab zu einer Paartherapie“, erklärt Brass. Dies führe durchaus zum Erfolg. Es gebe immer wieder Paare die ihre Ehekrise überwinden würden. Wenn hingegen beide eine Scheidung wollen, rät die Expertin keinen Rosenkrieg daraus zu machen: „Man sollte nicht immer gleich aufs Ganze gehen und sich zerfleischen, denn die leidtragenden dabei sind immer die Kinder“, betont sie. Brass ist eine der gefragtesten Scheidungsanwältinnen. Die erste Kontaktaufnahme erfolge in ihrer Kanzlei zurzeit telefonisch. In der Folge wird ein Besprechungstermin vereinbart, in welchem alles Weitere besprochen wird.

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